#EndSARS – Worum geht es?

Viele Menschen wundern sich über den Tag #EndSARS und fragen sich, was es damit auf sich hat. Bei den aktuell nun seit über zwei Wochen andauernden Protesten, sind Jugendliche auf die Straßen Nigerias, um gegen exzessive Polizeigewalt und erheblichen Machtmissbrauch selbiger zu protestieren. Aber was ist SARS überhaupt und warum fordern viele ein Ende? SARS steht für “Special Anti Robbery Squad” zu deutsch: Spezielle Anti Raub Einheit. Sie ist eine in den 1990er Jahren gegründete Sondereinheit der Polizei, um organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Besonderheit dieser Einheit ist das sie verdeckt arbeiten und weitreichende Befugnisse haben. Diese Befugnisse werden jedoch immer wieder missbraucht und dies war schon oft Gegenstand öffentlicher Diskussionen in Nigeria.

Machtmissbrauch und die damit einhergehenden Repressalien sind in Nigeria allgegenwärtig. Menschen in den Deutschland (+ Österreich & Schweiz) denken sicher, in Nigeria ist jede Person mehr oder minder korrupt. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn tatsächlich ist es in Nigeria so, das ein von oben herab operierendes korruptes System herrscht. Bei dem untere einfache Bedienstete sich dem fügen müssen. Ihr hartes Vorgehen dient nicht selten dazu, die internen “Ziele” zu erreichen. Diese und andere Faktoren führen dazu, dass die Polizei verstärkt ihre Macht missbraucht haben, um ihre Ziele zu erreichen. In den letzten Jahren zeigte dies sich erhebliche Schikane der Bevölkerung. Besonders die junge Bevölkerung litt immer mehr unter diesem Regime. Jede Person, die nur einen Hauch über den Armuts Durchschnitt lebt, stand unter Generalverdacht. Meist verliefen die Situationen so, dass die Menschen sich “freikaufen” mussten. Schätzungen gehen davon aus, dass so weit über 60 millionen USD jährlich umgesetzt werden. Hier reden wir aber nur von den “kleinen Fällen”. Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, sich herauszukaufen oder dies nicht wollen, zahlen im schlimmsten Fall mit ihrem Leben.

Die Proteste, die nun überall zu sehen sind, fordern ein sofortiges Ende dieser Praktiken. Die Proteste finden in allen großen Städten Nigerias statt. In Lagos (der größten Stadt mit über 20 Millionen Einwohnern) spitze sich die Lage immer mehr zu. In der Nacht des Dienstags, den 20. Oktober 2020 haben Regierungsbehörde die nigerianische Armee befohlen, im Schutze der Dunkelheit, auf die friedlichen, unbewaffneten und überwiegend jungen Demonstranten vor dem Lekki Toll Gate Plaza mit scharfer zu schiessen. Diese Aktion war sicher geplant, da am Tag sämtliche Überwachungskameras abgebaut und der Strom in der Gegend abgestellt wurde. Bei dieser Aktion sind viele Menschen gestorben und noch mehr verwundet worden.

Nigeria wird von der politischen Elite seit Jahrzehnten ausgebeutet. Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien ging die Ausbeutung des Landes unter anderer Führung weiter. Nigeria ist ein wichtiger Staat in Afrika nicht erst seit kurzer Zeit, sondern seit Jahrhunderten. Für den afrikanischen Kontinent spielt das Land eine herausragende strategische Rolle. Elemente wie SARS sind zwar mit einer guten Absicht gegründet worden, jedoch gerieten diese schnell außer Kontrolle und wurden zu einer Gefahr für die Bevölkerung, welche sie eigentlich Schützen sollten.

Was Nigeria jetzt braucht, ist die gleiche Solidarität wie bei #BlackLivesMatter. Wer sich dafür einsetzen will, Fluchtursachen nachhaltig zu bekämpfen, muss sich auch offen und entschieden gegen ein repressives Regime stellen. Eine vernünftige Lebensqualität und positive Zukunftsperspektiven sind ohne eine wirklich freiheitliche und demokratische Grundordnung nicht möglich. Das schließt auch ein, das diese Grundordnung von allen geachtet und verteidigt wird. Die Gesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen nicht wegschauen, wenn Menschen in Nigeria wegen Cent-Beträgen von Polizisten am helllichten Tage hingerichtet werden.

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