Wie viel kostet eine Wohnung? Eine junge Deutsch-Kongolesin teilt alle Details rund um die Kosten

Wir haben mit einer jungen deutsch-kongolesischen Immobilieneigentümerin gesprochen. Sie hat 2019 ihre erste Wohnung gekauft und hat mit uns im ersten Teil des Interviews ihre Motivation für den Immobilienkauf und Tipps für Erstkäufer geteilt. Im zweiten Teil erfahrt ihr alle Details zu den Kosten eines Wohnungskaufs.

  • Immobilie: Wohnung mit Terasse im EG (4. stöckiges Mehrfamilienhaus)
  • Baujahr: 1995 
  • Größe: ca. 70 m²
  • Standort: mittelgroße Stadt in Nordrhein Westfalen
  • Kaufpreis: ca. 100.000 €
  • Zustand: frisch gestrichen, ohne Renovierungsbedarf
  • Nutzung: Kauf im vermieteten Zustand
  • Alter beim Kauf: 30 (2019)
  • Beschäftigung aktuell: Assistenzärztin
  1. Wieviel zahlst du für deine Wohnung?

Meine Wohnung hat ca. 100.000 € gekostet. Bei einer Kreditlaufzeit von 20 Jahren, zahle ich monatlich ca. 420 €. Neben der Kreditrate zahle ich monatlich ca. 220 € Hausgeld.  Die monatlichen Kosten entsprechen etwa meinen Mietkosten in vorherigen Wohnungen mit ähnlicher Größe.

Als Eigentümerin oder Eigentümer ist es wichtig Rücklagen zu haben, da alles vorfinanziert werden muss. Ich kalkuliere innerhalb meiner Ersparnisse immer eine gewisse Summe für die Wohnung. Die Rücklagen können für Modernisierungsmaßnahmen, den Einbau neuer Sanitäranlagen oder eines Durchlauferhitzers dienen. Ein Teil des Hausgeldes wird durch die Immobilienverwaltung als Instandhaltungsrücklage gespart. Diese deckt dann Instandhaltungen für das gesamte Gebäude ab und gehört allen Eigentümern zu gleichen Teilen. Bisher waren keine Maßnahmen an meiner Wohnung notwendig, daher musste ich meine Rücklage bislang nicht nutzen. Ich plane aber in Zukunft zu streichen und die Terrasse umzubauen.

  1. Welche Kosten sind neben dem Kaufpreis für die Wohnung angefallen?

Die Nebenkosten bei einem Wohnungskauf liegen meistens bei 10 – 15 % des Kaufpreises. Das Geld muss man direkt beim Kauf bereit haben, da die Zahlungsfrist oft nur wenige Wochen beträgt. 

Nebenkosten sind z.B.:

  • Grunderwerbssteuer ca. 5 %
  • Notar ca. 3 %
  • Vermittler (Provinciale ) ca. 3 %
  • Weitere Kosten z.B. mögliche Renovierungsarbeiten  
  1. Hast du diese Kosten erwartet?

Durch meine Recherche wusste ich was auf mich zukommt. Bei Wohnungen ist zu beachten, dass neben den monatlichen Kreditraten, monatliches Hausgeld an die Immobilienverwaltung des Mehrfamilienhauses bezahlt werden muss. Das Hausgeld beinhaltet alle Kosten die für das Gebäude anfallen. Viele der Kosten können auf den Mieter übertragen werden. Da das monatliche Hausgeld zur monatlichen Kredit- und Zinsrate dazukommt, habe ich bei der Suche nach einer Immobilie darauf geachtet, dass das Hausgeld nicht zu hoch ist. Die Hausgeldkosten werden meistens in den Anzeigen neben der Kaufsumme angezeigt.

  1. Was war für dich die größte Herausforderung nach dem Kauf? Gab es spezielle Herausforderungen für dich als Afrodeutsche?

Die größte Herausforderung für mich war die Anmeldung zur Eigennutzung für meine Mutter. Ich habe alles eigenständig und ohne Anwälte nur mit Hilfe von Freunden, die Jura studiert haben, gemacht.

Die langjährige Mieterin war eine gestandene Frau und Doktorin. Der Schriftverkehr war schwierig, da kein Respekt vorhanden war und sie angezweifelt hat, ob es sich wirklich um Eigenbedarf handelt. Ihre Reaktion wäre womöglich anders gewesen, wenn ich eine weiße Person gewesen wäre. Letztendlich hat aber alles geklappt.

  1. Welche Empfehlungen kannst du zukünftigen Erstkäufern geben? 
  • Meine Empfehlungen sind zum einen Preise zu verhandeln und zum anderen Vergleichsangebote von unterschiedlichen Banken einzuholen. Ich wollte nicht bei verschiedenen Banken Konten, Aktien und Kredite haben, sondern habe mich bewusst für die eine Bank entschieden, in der ich all meine Finanzen zentralisiert habe. So habe ich mir Finanzierungsangebote von nur einer anderen Bank angesehen und abgelehnt. Rückblickend wäre es aber wichtig gewesen, mehr Vergleichsangebote einzuholen.
  • Ich empfehle die Berücksichtigung von Erfahrungsberichten und Tipps in   Facebook-Gruppen oder die Nutzung von Immobilien-Vergleichsplattformen für Wohnungsangebote.
  • Es ist auch immer zu empfehlen, ein Gutachten über den baulichen Zustand der Wohnung, des Gebäudes, des Wohnungswerts etc. einzuholen.
  • Für die Finanzierung einer selbstgenutzten Wohnung würde ich ein herkömmliches Annuitätendarlehen mit festem Zinssatz empfehlen. Diesen kann man, mit jährlicher Sondertilgung, so schnell wie möglich abbezahlen. Es gibt aber keine Steuervorteile auf den Kredit, wenn die Immobilie nicht vermietet ist. Die Zinsen einer vermieteten Immobilie lassen sich steuerlich absetzen, die einer selbst bewohnten Immobilie jedoch nicht.
  1. Was würdest du insbesondere Afrodeutschen raten, die gerne eine Immobilie kaufen möchten?

Ich selbst bin keine risikobereite Person, ich würde aber auf jeden Fall dazu raten, den Schritt zu wagen. Kümmert euch so früh wie möglich darum, eure Finanzen in Ordnung zu bringen.  Eine Wohnung ist eine Kapitalanlage, vor allem in schnell wachsenden Märkten. Wenn die Wohnung oder das Haus abbezahlt ist, hat man neben den anfallenden Fixkosten,  Einnahmen, die auch den nächsten Generationen eine Sicherheit geben. Die Wohnung oder das Haus ist dann eine reine Einnahmequelle. Es ist ein ganz anderes Gefühl ein Zuhause zu haben, dass dir gehört. Alle Investitionen kommen dir zu Gute und sind ein Erbe für die Kinder. Wir sollten uns in Deutschland etwas aufbauen. Wir sind Teil der Gesellschaft. Unser nächster Traum ist es ein Haus in Deutschland und in der Heimat zu kaufen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

NEUESTE

Quiet Quitting ist keine stille Kündigung!

Bezeichnung steht die Idee, dass Arbeitnehmer:innen nur die Arbeit verrichten, für die sie auch bezahlt werden. Klingt logisch, aber lässt sich das in der Praxis tatsächlich so einfach umsetzen?

Vier Möglichkeiten soziale Medien für Bildung zu nutzen

Soziale Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wer hat sich nicht schon mal stundenlang lustige Videos angeschaut. Gerade die Lockdown Zeit hat gezeigt, dass soziale Medien für uns auch eine wertvolle Unterstützung in Sachen Bildung sein können. Wir zeigen euch vier Möglichkeiten die es dazu gibt.

Afrikanische Kunst und NFT

Nach dem Krytpo-Hype kommt nun der nächste Blockchain bezogene Hype. NFT - Non-Fungible Tokens bezeichnen eine Art digitales Zertifikat, das bescheinigt, dass jemand das Original besitzt. Gerade bei digitaler Kunst - wie beispielsweise Fotos, welche unzählige male kopiert werden, ist sehr bald unklar, welches Exemplar nun das ursprüngliche ist. Diese Originalzertifikate, werden aktuell stark gehandelt. NFTs verhindern jedoch nicht, dass Kopien angefertigt werden können. Jedoch sind es dann Kopien und keine Originale. Bezogen auf afrikanische Kunst werden NFTs immer populärer. Auf der vergangenen Art X, die größte Kunstmesse in Westafrika, stand das Thema NFT primär im Fokus. Insgesamt 10 Kunstschaffende unter anderem aus Nigeria, Senegal und Marokko haben ihre Werke ausgestellt. Durch NFT haben Kunstschaffende vom Kontinent die Möglichkeit, ein noch breiteres Publikum zu erreichen. Hierdurch können sie vom aktuellen Hype rund um NFT profitieren. Im vergangenen Jahr wurde bei einer Auktion von Christies für ein Werk vom nigerianischen Künstler Prince Jacon Osinachi Igwe für $68.000 verkauft. Normalerweise erzielt er mit seiner Kunst $60. Die Tokenisierung seiner Kunst hat ihm ein beachtliches Umsatzplus eingebracht.

Der fehlende Impact von Diversity Kampagnen

tzten beiden Jahre waren geprägt von Unternehmensversprechen. Diese waren bestimmt von öffentlichen Unterstützungsbekundungen, in denen sich Unternehmen weltweit und auch in Deutschland, insbesondere nach den Protestbewegungen, zu diverser Repräsentation, Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion, sozialer Gerechtigkeit und zu echten und nachhaltigen Veränderungen verpflichteten. Wo stehen wir fast zwei Jahre später? Sind wir der Erfüllung dieser Versprechen schon näher gekommen oder bleiben sie unerfüllt?

Vintage, Secondhand und Retro: Was ist der Unterschied?

Wie und wo unsere Kleidung produziert wird, nimmt eine immer größere Rolle in unserer Gesellschaft ein. Dementsprechend ändert sich augenscheinlich auch einiges in der Fashion-Welt. Viele Moderiesen möchten nicht mehr als Teil der Fast-Fashion-Industrie wahrgenommen werden. Statt an der Produktion anzusetzen, entwickeln sie neue Konzepte, die ein nachhaltiges Image nach außen tragen sollen. Kurz gesagt: Sie betreiben Greenwashing und wälzen die Verantwortung an die Konsumierenden ab. Diese müssen erkennen, ob es sich bei den Konzepten tatsächlich um eine Nachhaltigkeitsstrategie oder Greenwashing handelt. Einige Modeunternehmen steigen nun auch im Second-Hand Geschäft ein und sorgen für Begriffsverwirrung auf dem Sekundärmarkt. Vintage, Second Hand oder Retro - Was ist der Unterschied?