Eine junge deutsch-kongolesische Immobilieneigentümerin teilt ihre Erfahrungen beim Erstkauf

Nicht mehr aktiv für sein Geld arbeiten müssen und finanzielle Freiheit genießen – davon träumen einige. Um dies zu erreichen, ist Vermögensaufbau essenziell. Eine der meist bekannten und über Generationen etablierte Möglichkeit, Vermögen aufzubauen, sind Immobilien. Während viele Afrodeutsche oder deren Eltern Immobilien in den jeweiligen afrikanischen Ländern besitzen, ist der Eigentum von Immobilien in Deutschland noch nicht weit verbreitet. 

Wir haben mit einer jungen deutsch-kongolesischen Immobilieneigentümerin gesprochen. Sie hat 2019 ihre erste Wohnung gekauft und teilt mit uns ihre Motivation für den Immobilienkauf, Finanzierungsmöglichkeiten und gibt Tipps für Erstkäufer.

  • Immobilie: Wohnung mit Terasse im EG (4. stöckiges Mehrfamilienhaus)
  • Baujahr: 1995 
  • Größe: ca. 70 m²
  • Standort: mittelgroße Stadt in Nordrhein Westfalen
  • Alleineigentümerin
  • Alter beim Kauf: 30 (2019)
  • Beschäftigung beim Kauf: Festanstellung nach dem Studium

  1. Was hat dich dazu motiviert in eine Wohnung zu investieren?

Ich war immer Mieterin. Mein Ehemann hat mich zur Investition in eine Immobilie motiviert. Er war bereits Immobilieneigentümer im europäischen Ausland.

Meine Ängste dabei waren vor allem einen Kredit aufzunehmen und dadurch Schulden zu haben. Die Argumente meines Ehemanns, die Wohnung als Investition und Kapitalanlage zu sehen, haben mich dann überzeugt. Als Mieter zahlt man Geld ohne Eigentum zu erlangen. Der Vergleich meiner Mietzahlungen und der Kreditrate war dann für mich ausschlaggebend. 

Ohne dieses Vorbild hätte ich viel länger mit der Investition gewartet und erst einmal mehr Eigenkapital gespart, da ich keine Erbin bin. Ich bin froh, dass ich mich früh getraut habe.

  1. Wie hast du die richtige Wohnung für dich gefunden?

Für mich waren ein paar Kriterien wichtig. Vor allem war mir wichtig, in eine barrierefreie Wohnung zu investieren. Ich wollte gerne eine 3-Zimmer-Wohnung kaufen, die in meiner Heimatstadt ist.

Meine Heimatstadt habe ich als Standort gewählt, da noch nicht klar ist, wo wir in Zukunft leben werden und die Betreuung dann einfacher ist, da ich die Wohnung langfristig gesehen vermieten werde.

Ich habe vor allem auf Immobilienwelt, in Zeitungen, im Planethome bei der Bank sowie im Bekanntenkreis gesucht. Meine Wohnung habe ich dann auf Immobilienwelt gefunden. Die Wohnung wurde von der Sparkasse über Provincial als Vermittler angeboten.

  1. Wie viel Zeit hast du in die Suche und den Preisvergleich investiert?

Ich habe ca. 1,5 Jahre für die Vorbereitungen und Suche gebraucht. Mein Budget lag bei 80.000 – 100.000 €.  

  1. Wie hast du während deines Studiums gespart?

Neben dem Studium habe ich immer gearbeitet. Ich habe für mein Studium auch das Stipendium der “Studienstiftung des deutschen Volkes” erhalten. Meine Eltern haben früh ein Sparbuch für mich eingerichtet, daher habe ich schon immer einen Teil meines Geldes gespart. Im Studium habe ich dann mit einem Tagesgeldkonto gespart. Ein Sparkonto oder ein Tagesgeldkonto ermöglichen aber wenig Wachstum. Daher werden diese Varianten nur noch selten empfohlen.

Als ich nach dem Studium einen Job hatte, habe ich über meine Bank in Mischfonds und Aktien investiert. Vorher wollte ich nicht in Fonds investieren, da ich Angst hatte das mein Geld, z.B. im Fall einer Finanzkrise, komplett verschwindet. Die Berufsunfähigkeitsversicherung dient der Bank als zusätzliche Absicherung.

  1. Welche Tipps kannst du für das Sparen geben? 

Es ist zu empfehlen 10 % des Kaufpreises z.B für die Anzahlung vor dem Kauf zu sparen. Wegen meiner langjährigen Verbundenheit mit der Bank und meinen finanziellen Status war bei mir eine Anzahlung nicht notwendig. Das gesparte Geld hat mir aber bei den angefallenen Kosten rund um den Kauf, insbesondere bei den Nebenkosten, geholfen.

  1. Wie hast du deine Wohnung finanziert?

Ich habe für die Finanzierung einen Kredit bei der Deutschen Apotheker und Ärztebank aufgenommen. Ich habe mit der Bank bereits vorab über meine Kreditfähigkeit gesprochen. Mir wurden unterschiedliche Darlehens-Modelle vorgestellt. Ich habe das Bausparmodell mit einer Laufzeit von 20 Jahren gewählt. Ich wollte wegen meiner Familienplanung keinen finanziellen Druck haben, den Kredit schnell abzahlen zu müssen. Die Laufzeit kann, meiner Erfahrung nach, individuell vereinbart werden. 

  1. Welche Tipps kannst du für eine mögliche Kreditbeantragung geben? 

Um einen Kredit in Deutschland zu beantragen, ist es wichtig finanziell stabil zu sein, d.h. ein geregeltes Einkommen zu haben. Eine gute Schufa und keine Schulden sind auch von Vorteil. In anderen Ländern ist die Kreditvergabe gegenüber Menschen, die in der Vergangenheit Schulden hatten, großzügiger.

  1. Hattest du einen Finanzberater?

Ich hatte eine Finanzberaterin in meiner Bank. Meine Finanzberaterin hat mir auch den Tipp gegeben, den Kaufpreis zu verhandeln. Das habe ich anfangs nicht gemacht. Durch das Nachverhandeln habe ich ca. 4000 € gespart.  

Das Kreditangebot meiner Finanzberaterin wurde von einer unabhängigen Person in der Bank nochmal gegengeprüft, um die Neutralität zu wahren.

  1. Hattest du als Afrodeutsche spezielle Herausforderungen beim Kauf?

Ich persönlich hatte bezogen auf die Finanzierung keine speziellen Herausforderungen, da ich eine langjährige Kundin bei meiner Bank war, und meine Finanzen stabil waren. 

Als Schwarze Frau bin ich mir jedoch darüber bewusst, dass Schwarze Menschen bei solchen ambitionierten Vorhaben wegen ihrer Hautfarbe auf viele Vorurteile und Hürden stoßen. 

Alle Details zu den Kosten erfahrt ihr im zweiten Teil. Schickt uns gerne eure Fragen dazu.

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