Interview mit Pascaline Ndungo N‘sanda

Pascaline Ndungo N’sanda ist eine junge Sängerin und Songwriterin aus der Kleinstadt Hennef (an der Sieg). Ihre Eltern stammen ursprünglich aus der Demokratischen Republik Kongo. Ihr Abitur absolvierte sie erfolgreich am Städtischen Gymnasium Hennef. Aufgrund ihrer Leidenschaft zur Musik, widmete sie sich nach dem Abitur voll und ganz ihrer Musikkarriere. 2010 nahm sie spontan an der Castingshow “Popstars” teil und überzeugte mit ihrem Talent die Jury und das Publikum so sehr, dass sie das Finale erreichte. 2017 begleitete Pascaline die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer Wahlkampftour und unterstützte sie, gemeinsam mit anderen Künstler:innen, musikalisch. Inzwischen lebt Pascaline im Rhein-Main Gebiet. Nachdem sie ihr Studium im Wirtschaftsrecht erfolgreich abgeschlossen hat, arbeitet sie nun in der hessischen Finanzverwaltung. Im Folgenden gewährt uns Pascaline einen Einblick in ihr Dasein als Sängerin, Songwriterin und in ihre Tätigkeit im öffentlichen Dienst.    

Liebe Pascaline, wie bist du zur Musik gekommen?

Man könnte sagen, dass ich in die Musik hineingeboren wurde. Insbesondere durch meinen Vater, der selbst musikalisch auf professionellem Niveau aktiv war, bin ich in einem sehr musikalischen Umfeld aufgewachsen. Das fing bei kongolesischer Popmusik an und hörte bei der klassischen und christlichen Musikrichtung auf. Meine Eltern haben mir immer nachgesagt, dass ich angefangen habe zu singen, bevor ich überhaupt richtig sprechen konnte. Auch wenn mich die Musik stets begleitet hat, war es für mich nicht immer klar, ob ich hauptberuflich Musikerin werden möchte. Die Initialzündung kam zur Zeit meiner Abiturprüfungen, als die Castings zu der neuen “Popstars – Girls 4 Ever” Staffel stattfanden. Nach meiner letzten erfolgreichen Prüfung in Mathematik fuhr ich spontan und allein zum Casting in Siegburg. Ich hatte mir nicht viel dabei gedacht und wollte erst einmal schauen, wie weit ich komme. Letztendlich kam ich bis ins Finale. So begann meine Musikkarriere in der Öffentlichkeit.

Hast du ein Studium im Bereich Musik in Erwägung gezogen?

Ich habe damals tatsächlich zunächst mit dem Gedanken gespielt, Musik zu studieren. Schlussendlich habe ich mich jedoch dagegen entschieden. Die Musik war mir zu sehr Leidenschaft, als das ich mich dem Zwang und dem Druck von Prüfungen unterziehen wollte. Bitte nicht falsch verstehen: Kritik ist wichtig und notwendig, um sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Aber nach Popstars war mir klar, dass ich den Kreis maßgeblicher Kritiker auf Menschen beschränken muss, die es wirklich gut mit mir meinen. Insofern war das Ziel meines Studiums, mich finanziell abzusichern und mir den Raum zu schaffen, ein zweites Standbein aufzubauen. In den letzten Jahren habe ich hauptberuflich als Sängerin gearbeitet und möchte diese Zeit definitiv nicht missen. Es ist jedoch auch eine große Erleichterung zu wissen, dass am Ende des Monats mein Lebensunterhalt nicht von meiner musikalischen Auftragslage abhängig ist. Dies gibt mir die Freiheit, nicht willkürlich Jobs anzunehmen, sondern wirklich nur die, die gut für mich sind und die ich wirklich machen möchte und eben nicht nur machen muss. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt, vielleicht bin ich ja doch bald wieder hauptberuflich als Sängerin unterwegs. Ich wollte schon auf Sicherheit setzen, aber letztendlich ist ja nichts hundertprozentig sicher.  

Welche Art von Musik machst du und welche Message möchtest du mit ihr vermitteln?

Vor fünf bis zehn Jahren hätte meine Antwort wahrscheinlich Pop- bzw. RnB-Musik à la Rihanna und Beyoncé gelautet. Inzwischen hat sich meine Musik aber eher zu einer Mischung aus Pop, Soul, Jazz und Gospel gewandelt. Hier und da können sich ebenfalls Elemente der Rockmusik finden. Ich schreibe meine Songs sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Auf Lingala habe ich zwar auch ein paar Songs geschrieben, allerdings habe ich diese bislang noch nicht veröffentlicht. Ich schreibe meistens ermutigende Texte und öfter auch Texte, die einen christlichen Hintergrund haben. All die guten Erfahrungen, die ich mit Gott gemacht habe, verarbeite ich immer wieder in meiner Musik. Ich denke, dass viele Menschen spirituell noch auf der Suche sind und eventuell eine falsche Vorstellung von Jesus haben. Mit Musik habe ich das Privileg, ein anderes Bild von Jesus zu zeichnen. Es ist wie eine Einladung, die ich aussprechen darf. Eine Einladung zu einer lebensverändernden und wunderschön liebevollen Beziehung zwischen Mensch und Gott. 

Gibt es Personen, die dich musikalisch inspiriert haben?

Meine erste CD war das Album “My Love Is Your Love” von Whitney Houston. Das typische Klischee der meisten Sängerinnen. Eine weitere Person, die mich musikalisch sehr inspiriert hat, war Joy Denalane. Sie hat mich ermutigt, deutsche Texte zu schreiben und gesellschaftskritische Themen in meiner Musik anzusprechen. Und wer natürlich nicht fehlen darf, ist die Band „Boyz II Men“, von denen ich mir gesanglich und hinsichtlich meiner Arrangements so einiges abgeschaut und gelernt habe.

Kannst du einen Wandel hinsichtlich der afrodeutschen Musikszene feststellen?

In den letzten fünf Jahren hat sich viel verändert. Es sind vor allem viele neue Künstlerinnen erschienen. Die Rapperin Eunique ist beispielsweise eine Künstlerin, die sich ihren Erfolg hart erarbeitet hat. Mittlerweile tourt sie mit ihrer eigenen Musik durch ganz Deutschland. Die Musikerin Rola, mit der ich auch privat sehr gut befreundet bin, ist ebenfalls eine Künstlerin, die es geschafft hat, sich musikalisch in Deutschland zu etablieren. Sie macht feinste R&B Musik. Was schön ist, ist das immer mehr tolle neue Künstlerinnen und Künstler auf der Bildfläche erscheinen und den Mut haben, ihr Ding zu machen. Es gibt so viele junge Artists, die lyrisch stark sind. Ich denke an die Sängerin Mashanda, ich denke an Nzola (Matthias Zanquila), ich denke an meine liebe Freundin Makeda, die beim letzten deutschen ESC – Vorentscheid den zweiten Platz belegt hat. Die Liste ist echt lang geworden und ich liebe es.

Welche wertvollen Erfahrungen hast du als Musikerin gesammelt?

Als Sängerin kann ich Erlebnisse und Erfahrungen in der Musik verarbeiten. Ich gebe aber auch viel von mir preis und entblöße mich auf emotionaler Ebene. Dementsprechend fühlt sich die Resonanz zu den eigenen Songs sehr persönlich an und wird wesentlich intensiver wahrgenommen. Im Vergleich dazu fordern Cover-Songs nicht im gleichen Maße heraus, da man in der Regel weniger Emotionen investiert. Den einzigen Druck, den man vielleicht verspüren kann, ist wenn man mit dem Original mithalten oder eben seinen persönlichen Charakter durchscheinen lassen möchte. Aber das nimmt wahrscheinlich auch jede Künstlerin und jeder Künstler unterschiedlich wahr. Nicht zu unterschätzen ist auch der finanzielle Aspekt, wenn man hauptberuflich als Musikerin oder Musiker tätig ist. Oft wird man für Hochzeiten oder Firmenevents gebucht und tritt letztlich nur mit Cover-Songs auf. Wichtig ist, dass man die Auftritte gerne macht und nicht nur des Geldes wegen, denn allein dafür ist die Musik viel zu kostbar. Außerdem brennt man sonst auch sehr schnell aus und die ursprüngliche Leidenschaft geht verloren.

Welche positiven Schlüsselmomente fallen dir rückblickend ein?

Bei nahezu all meinen Auftritten erlebe ich positive Momente. Wenn ich 100% gebe und auf der Bühne leidenschaftlich unterwegs bin merke ich, dass es die Menschen berührt und abholt. Insbesondere freut es mich, wenn die Leute nach dem Auftritt auf mich zukommen und mir erzählen, welche positiven Erlebnisse sie während bzw. durch die Show hatten. Einmal kam jemand auf mich zu und erzählte mir, dass ich ihn die Sorgen des Alltags für einen Moment vergessen lassen habe. Trotz der Tatsache, dass ich meinen Lebensunterhalt mit der Musik verdient habe, hat solch ein Feedback eine ganz besondere Bedeutung für mich. Am Ende sind es halt die Menschen, die zählen.

Welche Ziele hast du dir für die kommende Zeit vorgenommen?

Für dieses Jahr plane ich mehr Songs zu schreiben und zu veröffentlichen. Ich möchte gerne mit verschiedenen Songwritern zusammenarbeiten, endlich Klavier und Gitarre spielen lernen und einfach rausgeben, was schon lange in mir schlummert. Ich habe oft darauf gewartet, mein Studium abzuschließen, um danach meinen Träumen und meinen größten Zielen nachzujagen. Und diese Zeit ist jetzt. Woran ich auch große Freude habe ist es, jüngere Menschen zu coachen und ihnen zu helfen, das Maximum aus ihren musikalischen Talenten herauszuholen. Auch das steht in diesem Jahr auf dem Programm. Insgesamt bin ich für neue Projekte offen und schaue, was das Jahr mit sich bringt. 

Wie ist deine Meinung zum “DIASPOREAN” als Online-Magazin?

Ich finde es sehr cool, dass “DIASPOREAN” in seiner Form existiert. Vor allem das Team dahinter macht das Online-Magazin besonders aus. Die Arbeit, die ihr leistet, ist erheblich. Ihr bietet einen tieferen Einblick in afrodeutsche Themen und schafft ein differenzierteres Bild von Afrika. Der Inhalt ist stets abwechslungsreich. 

Was würdest du dir für die weitere Entwicklung des “DIASPOREAN” wünschen?

Die Interviewreihe finde ich super, da ihr Personen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft interviewt. Ich möchte euch ermutigen, weiterhin Themen anzusprechen, die für die afro-europäische Community relevant sind und die Qualität, die ihr dabei zugrunde legt, nicht verliert. Wie schon gesagt: Ihr macht einen echt tollen Job.

Liebe Pascaline, danke für das Interview und danke, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. 

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