Über die Rolle von Organisationen für einen gesellschaftlichen Perspektivwechsel

Schwarz und organisiert sind zwei Attribute, welche auf eine Vielzahl von Organisationen in Deutschland zutreffen. Sie jedoch nur auf die “Farbe” zu reduzieren, würde ihnen absolut nicht gerecht werden. Denn sie sind weit mehr als einfach nur “Schwarze Organisationen”. Als Antrieb für eine Gründung dient oftmals ein (gesellschaftlicher) Mangel, wie bei so vielen Gründungen, Erfindungen oder Initiativen der Welt, sei es nun der Mangel an Repräsentation, an Sichtbarkeit, an Vernetzung oder der Mangel an Empowerment. 

Immer wieder finden sich im deutschsprachigen Raum Menschen zusammen, die der Gesamtgesellschaft, oftmals durch gemeinnützige Arbeit, einen großen und wichtigen Dienst erweisen. Trotz der guten Arbeit, wird den meisten Organisationen nicht die Sichtbarkeit zuteil, die sie verdienen. Dabei tätigen diese zur Verfolgung ihrer Ziele teilweise hohe Investitionen. Nur weil ein Verein “gemeinnützig” ist, bedeutet das nicht, dass dieser keine Ressourcen benötigt. Diese werden oftmals durch ihre Mitgliedschaft gestemmt. Ebenso bieten Spenden und Förderungen weitere Säulen der Finanzierung von Organisationen.

Bedeutung des Ehrenamts in Deutschland

In Deutschland genießt das Ehrenamt historisch einen sehr hohen Stellenwert. Dieser zeigt sich auch in der Vielzahl der Vereine die es gibt. Über 17 Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Seinen Ursprung hat das Ehrenamt in der humanitären Hilfe. Über die Zeit hat es sich jedoch weiterentwickelt und stellt heute eine zentrale Säule des gesellschaftlichen Engagements dar. Ehrenamtlich Tätige leisten ihre Arbeit unentgeltlich oder erhalten statt eines regulären Gehalts Aufwandsentschädigungen und Kostenerstattungen. Dem gegenüber stehen die Hauptamtlichen, welche mit einem regulären Gehalt kompensiert werden. In den wenigsten afrodiasporischen Organisationen gibt es hauptamtliche Personen. Afrodiasporische Organisationen sind ein integrativer Bestandteil der ehrenamtlichen Landschaft und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz.

Organisationen als primäre Dienstleister für die Community

Afrodiasporische Organisationen sind in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen. Durch ihre Arbeit leisten sie einen wesentlichen Beitrag für die kontinuierliche Weiterentwicklung auf individueller und gemeinschaftlicher Ebene. Das macht sie zu primären Dienstleistern und Motivatoren für die Community, sei es durch das Organisieren von Sportveranstaltungen für Kinder und Jugendliche, durch die Beratung zwecks Berufs- oder Studienwahl sowie durch das Mentoring. Sie treten darüber hinaus als Unterstützende bei Behördengängen und in der Korrespondenz mit eben diesen auf. Über all dem steht die kontinuierliche Lobbyarbeit für die Schwarze Sache im Allgemeinen. Hierbei geht es darum, die Rechte von afrodiasporischen Menschen zu stärken. Die Lobbyarbeit geschieht auf allen Ebenen und in allen Bereichen des Lebens und hat eine lange Tradition. Zu den Pionieren gehört die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), welche bereits Mitte der 1980er Jahre gegründet wurde. Mit den Jahren hat sich die ISD zu einem Kompetenzzentrum gegen Rassismus entwickelt. Über Jahre hinweg hat sich eine immer größere Community, mit immer mehr Organisationen, gebildet. Dieses Wachstum hat der Community geholfen, sich weiter in Deutschland zu etablieren. Auch wenn viele Organisationen nur wenige Mitglieder haben, so ist ihr Wirken in der Regel nicht auf die Mitglieder beschränkt.

Brückenbauer innerhalb und außerhalb der Community

Wie auch in der weißen Mehrheitsgesellschaft, lernen sich viele Menschen über Organisationen kennen. Hierdurch entstehen Bekanntschaften, welche ohne die Existenz der Organisation womöglich gar nicht zustande gekommen wären. Mit ihrer Funktion als Netzwerkplattform, dienen Organisationen als Brückenbauer und verbinden auch Menschen, die nicht Teil der afrodiasporischen Community sind. Als wichtiger Bestandteil der Gesellschaft, führen afrodiasporische Organisationen wichtige Diskurse zu unterschiedlichen Themen, welche Menschen miteinander verbinden und langfristig zu einem echten Perspektivwechsel führen. Dieser kann nur entstehen, wenn Menschen voneinander lernen. Dies wiederum ist für ein gesundes und friedliches Zusammenleben notwendig. Eine wichtige Rolle von Organisationen besteht also darin, die gesamtgesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Ihre Arbeit ist wertvoll und verdient daher allerhöchste Aufmerksamkeit und Wertschätzung. 

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