Interview mit der Anwältin Ingrid Yeboah

Fotocredit: Beatrice Linz Meier

Ingrid Adjoa Yeboah ist Anwältin und führt ihre eigene Kanzlei iy.legal mit den Schwerpunkten Urheberrecht, Medienrecht sowie gewerblicher Rechtsschutz. Sie ist in Hamburg geboren und als Kleinkind mit ihren Eltern aus Ghana nach Hannover gezogen und dort aufgewachsen. Nach ihrer schulischen Laufbahn und dem Abitur beschloss sie, Jura an der Leibniz Universität Hannover zu studieren, wo sie ihr erstes Staatsexamen absolvierte. Im Anschluss machte sie ihr Referendariat am Oberlandesgericht Düsseldorf, um dann ihr zweites Staatsexamen zu absolvieren. Zudem arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Medienunternehmen sowie als Künstlermanagerin bei einer Agentur. Im Interview erzählt euch Ingrid, warum sie sich dazu entschlossen hat Jura zu studieren, wie ihre Arbeit als Künstlermanagerin abgelaufen ist und was sie dazu motiviert hat ihre eigene Kanzlei zu gründen sowie Tipps dazu.

Hallo Ingrid. Was hat dich nach der Schule dazu motiviert Jura zu studieren?

Für mich war relativ schnell klar, dass ich Jura studieren möchte. Ich glaube da war ich 15 oder 16. Damals haben mich ein, zwei Serien, die auf Anwaltskanzleien basierten und in denen der Alltag von Anwälten abgebildet wurde, beeindruckt. Auf der anderen Seite hatte ich schon immer einen sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Anfangs war meine Intention, Richterin zu werden und ich habe während meines Studiums auch Praktika machen können und mich informiert. Ich stellte aber relativ schnell fest, dass Recht und Gerechtigkeit zwei verschiedene Dinge sind. Das Richteramt hätte nicht meiner Intention entsprochen, warum ich Jura studiert habe. Abgesehen davon reichten meine Noten nicht auch, um Richterin zu werden, denn bei Jura ist die Abschlussnote das A und O. Mein Credo ist aber, dass ich das was ich anfange auch zu Ende bringe. Auch wenn man danach nicht zwangsläufig im klassischen juristischen Bereich arbeiten möchte, hat man viele Einstiegsmöglichkeiten. Daher war für mich klar, dass ich das Studium definitiv abschließe.

Warum bist du nach dem Studium nicht den klassischen juristischen Weg gegangen?

Nach meinem zweiten Examen war ich ein bisschen desillusioniert von dem juristischen System in Deutschland. Ich konnte mich auch mit den Leuten in diesen Berufszweig nicht wirklich identifizieren. Daher habe ich mir überlegt, was denn alternative Wege für mich wären, wenn ich jetzt nicht als Juristin Fuß fassen möchte. Weil ich eine sehr hohe Affinität zur Musik und zur Entertainment Branche habe, habe ich mich bei einer Künstlermanagement Agentur beworben. Ich bin dann zufällig auf die Annonce meines zukünftigen Arbeitgebers gestoßen, der Mitarbeitende gesucht hat. Insgesamt habe ich dort sechs Jahre lang als Künstlermanagerin gearbeitet.

Wie kann man sich deine vorherige Arbeit als Künstlermanagerin vorstellen?

Die Arbeit beinhaltete, dass ich, Musikerinnen und Musiker, Moderatorinnen und Moderatoren und Schauspieler und Schauspielerinnen betreute und versucht habe, sie in ihrem jeweiligen Segment zu platzieren und auch medientechnisch auf sie aufmerksam zu machen. Dazu war ich regelmäßig in Gesprächen mit Musiklabels oder Fernsehproduktionen, Fernsehsender etc. Aufgrund meines juristischen Backgrounds war ich auch für die Vertragsgestaltung und Prüfung sowie Vertragsverhandlungen, die sehr urheber- und medienrechtslastig waren, verantwortlich. Irgendwann war ich aber an einem Punkt angelangt, an dem ich festgestellt habe, dass ich in der Agentur inhaltlich nicht weiterkomme und sich die Aufgabenbereiche wiederholten. Da mich das Urheber- und Medienrecht schon immer interessiert hat und es für mich während des Studiums zu kurz kam, habe ich mich dann einfach dazu entschieden, mich parallel zu meiner Arbeit in diesem Bereich weiterzubilden, um mein Wissen abzurunden. Schließlich habe ich zwei Fachanwaltslehrgänge in Urheber- und Medienrecht sowie nach drei Semestern zusätzlich noch den postgradualen Masterabschluss in Immaterialgüterrecht und Medienrecht absolviert. Ich fand das so spannend und so toll, weil ich das, was ich in der Praxis an vertraglichen Inhalten erfahren habe mit der Theorie verknüpfen konnte. 

Weshalb hast du dich für die Gründung deiner eigenen Kanzlei entschieden?

Die Entscheidung ist relativ spontan gefallen. Nachdem ich den Master absolviert habe war für mich klar, dass ich als Anwältin oder als Juristin in einem Unternehmen arbeiten möchte. Ich habe mich dann auch bei Medienunternehmen beworben, aber es hat letztendlich nicht für eine Anstellung gereicht. Ich war auch bei Kanzleien vorstellig, die mich auch genommen hätten, doch thematisch war das für mich nicht interessant genug. Zu dieser Zeit saß ich zusammen mit einer Freundin auf einem Glas Wein und sie hat mir dazu geraten mein eigenes Ding zu machen. Sie wies mich darauf hin, dass ich durch meine Mitarbeit in der Künstlermanagement Agentur Kontakte aus der Medienbranche habe. Das ich mich selbstständig mache war vorher überhaupt kein Thema für mich. Mein Gedanke war, wenn ich das mache, dann würde ich das mit jemandem machen wollen, der da auch Lust darauf hat. Da ist mir eine Kommilitonin in den Sinn gekommen, die mal erwähnte, dass es schon immer ein Traum war, eine eigene Kanzlei zu gründen. Dann habe ich sie auf Facebook angeschrieben und sie war direkt Feuer und Flamme. So haben wir dann bei mir im Wohnzimmer unsere Kanzlei gegründet. Man nennt diese Form der Kanzlei auch klassisch Wohnzimmerkanzlei. Zu Beginn hatten wir dann auch ein relativ großes Mandat. Nach einem Jahr haben wir aber festgestellt, dass unsere Zusammenarbeit nicht so fruchtet, wie wir uns das zu Beginn vorgestellt haben, sodass wir dann getrennte Wege gegangen sind. Seit knapp zwei Jahren arbeite ich allein und das ist auch total in Ordnung so.

Wie sieht der Arbeitsalltag in deiner Kanzlei aus?

Mein Arbeitsalltag ist unterschiedlich. Also kein Tag ist wie der andere. Die Themenschwerpunkte sind hauptsächlich außergerichtlich. Ich entwerfe, prüfe und verhandele sehr, sehr viele Verträge, hauptsächlich Lizenzverträge. Wenn es z.B. darum geht, dass jemand etwas produziert oder beauftragt wird, etwas zu produzieren, halte ich die vertraglichen Eckpunkte genau fest. Ich kümmere mich auch um die klare Definierung der Lizenzierung und Rechteübertragung wenn es um Musikverträge geht, z.B. wenn eine Künstlerin oder ein Künstler kurz davor ist, einen Vertrag mit einem Label zu schließen. Ich mache auch Markenanmeldungen. Zudem erstelle ich Allgemeine Geschäftsbedingungen, Datenschutzerklärung und das Impressum für Online-Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihr Business launchen wollen. Ab und an kommen auch Menschen auf mich zu, die abgemahnt worden sind, weil sie versehentlich oder vermeintlich Musik heruntergeladen haben und einen Brief von einer sogenannten Abmahnkanzlei erhalten haben. Ich beschäftige mich also hauptsächlich mit allen Themen rund ums geistige Eigentum im Off- und Online-Bereich.

Was rätst du denjenigen, die darüber nachdenken, ein Jurastudium anzutreten oder gar selbst eine Kanzlei zu gründen?

Ich bin der Meinung, dass ein Jurastudium grundsätzlich nicht schadet, unabhängig davon, ob man als Juristin oder Jurist tätig sein will. Man muss natürlich wissen, dass es ein sehr trockenes Studium ist und man auch offen dafür sein muss, sich dem theoretischen Wissen hinzugeben. Ich würde empfehlen, dass man vielleicht mal in ein, zwei Vorlesungen geht und sich anhört, wie das Ganze konzipiert ist. Wenn man tatsächlich den Drang zur Selbständigkeit verspürt, muss man wissen, dass es nicht ausreicht, ein Büro anzumieten und ein Schild an die Tür zu hängen, sondern dass man auch unternehmerisch tätig sein muss. Die Mandate kommen nicht von allein. Zu Beginn, als wir noch nicht im Lockdown waren, bin ich mindestens einmal die Woche zu irgendeiner Business-Veranstaltungen gegangen und habe mich vernetzt. So ist mein Mandantenstamm entstanden. Den unternehmerischen Geist muss man schon mitbringen. Ansonsten würde ich sagen, dass man es einfach machen sollte, wenn man den Drang verspürt. Was ist das Schlimmste, was einem passieren kann? Man geht wieder in die Anstellung, aber okay, damit kann man leben. Man braucht jetzt kein großartiges Budget weil man seine Kanzlei auch erst einmal zuhause anmelden kann. Ein Rechner und ein Schreibtisch reichen letztendlich.

Um mehr über Ingrids Arbeit zu erfahren oder falls ihr Rechtshilfe benötigt, besucht sie auch auf ihrer Internetseite www.iy.legal, auf LinkedIn unter Ingrid Adjoa Yeboah oder auf Instagram unter @ingridadjoa

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