Sinit zum Thema Persönlichkeitsentwicklung

SWANS ist eine ehrenamtliche und gemeinnützige Initiative, die hochqualifizierten, jedoch marginalisierten Frauen mit Zuwanderungsgeschichte beim Berufseinstieg hilft. Diesmal interviewen wir Sinit, Business Management Studentin im englischen Master. Sie ist Teil der SWANS Initiative und Co-Gründerin von „Hadgi“ einem Projekt, das die Persönlichkeitsentwicklung von eritreischen Jugendlichen unterstützen und Orientierung für akademische und berufliche Fragen bieten soll. Wir sprechen mit ihr u.a. über die Wichtigkeit der Persönlichkeitsentwicklung, darüber was erfolgreiche Menschen auszeichnet und welche Coaching-Inhalte sie sich häufiger für Afrodeutsche wünscht. 

Hallo Sinit, warum ist Persönlichkeitsentwicklung für dich so wichtig?

Das ist die Essenz dessen was ich bin. Ich persönlich strebe immer danach mich weiterzubilden und etwas über mich, über andere Menschen, über andere Kulturen und Verhaltensweisen zu lernen. Ich liebe es zum einen zu verstehen, warum Menschen so ticken wie sie ticken und zum anderen mehr über mich selbst und meine Gedanken zu lernen. All das wird in der Persönlichkeitslehre vereint und in Verbindung mit Selbstreflexion bildet das die Basis für die Entwicklung von Persönlichkeiten. Mich persönlich weiterzuentwickeln, ganz egal ob im professionellen, persönlichen oder akademischen Rahmen, ist tief in mir verankert. Bestimmt fühlen viele Kinder von Kriegsflüchtlingen so, dass sie eine tiefe Dankbarkeit für die Opfer, die die Eltern gebracht haben, empfinden. Wenn man den Gedanken etwas weiterspinnt, dann kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass man viele Möglichkeiten hat, die andere Gleichaltrige vielleicht nicht haben. Wieso dann also nicht nach mehr streben? Wieso nicht alles erreichen, was möglich ist? Wieso nicht das volle Potential ausschöpfen und Unmögliches möglich machen? Ich glaube, dass die Persönlichkeitsentwicklung eine ganz entscheidende Rolle im Leben von Menschen spielt. Der Gedanke daran, in meiner Entwicklung zu stagnieren und immer gleich zu bleiben, erschreckt mich. 

Was haben erfolgreiche Menschen deiner Einschätzung nach gemeinsam?

Jetzt gebt ihr mir Raum zum Philosophieren. Erfolg lässt sich für jeden unterschiedlich definieren. Für den einen bedeutet das finanzielle Unabhängigkeit, für den anderen materiellen Reichtum. Ich persönlich bin erfolgreich, wenn ich meine Ziele erreiche und Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin, erfolgreich überwinde. Erfolgreiche Menschen sind für mich die, die immer die Bereitschaft haben zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Kontinuierlich nach einem neuen Ziel zu streben und diese Ziele über den eigenen Kosmos hinaus zu setzen, das macht Erfolg aus. Dann wenn du Mehrwert schaffst, ganz egal ob es für deine Kinder, die nächste Generation, die Gesellschaft, dein Heimatland, unterdrückte Minderheiten etc. ist, dann bist du erfolgreich. All die Menschen, die dies geschafft haben, sind sehr selbstreflektiert und haben ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Erfolgreiche Menschen wissen genau, wer sie sind und weil sie wissen, wer sie sind, wissen sie auch, wo sie hin wollen. Ich bin überzeugt davon, dass das der gemeinsame Nenner ist.

Was hältst du von Coaches?

Ich habe bisher nur im professionellen Rahmen Coachingerfahrung und die war sehr positiv. Mir hilft es total, wenn ich mir die Lösung zu einem Problem selbst erarbeite und Coaches konkrete Fragen stellen, die mich der Lösung näherbringen. Deshalb mag ich das Konzept vom Coaching sehr gerne. Ich glaube aber, man muss vorsichtig sein, weil das im Gegensatz zum Mentoring weniger akkreditiert und somit qualitativ schwieriger zu messen ist. Es gibt ja Coaches für alle möglichen Bereiche: Fitness, Leben, Karriere etc. Manchmal frage ich mich, wie mich ein anderer Mensch, der sich bspw. als Lebenscoach bezeichnet, ideal unterstützen kann. Was sind die Referenzen? Was sind die Erfahrungswerte, die ihn/sie zu einem Experten/einer Expertin im Leben machen? Das Leben ist ein so komplexer und umfassender Bereich, weshalb ich glaube, dass es da mehrere Coaches braucht, um das gut zu meistern – es benötigt ein Riesensupportsystem. Wenn es um konkrete Bereiche, wie zum Beispiel die Karriere geht, dann finde ich Coaching sehr effektiv und zielführend. In anderen Bereichen würde ich empfehlen sich die Zertifizierung der Coaches genau anzusehen und genau zu recherchieren. Ich bin doch schon etwas kritisch, wenn ich mir Coaches aussuche, da bin ich ehrlich.

Welche Rolle spielen Softskills und die Förderung dieser bei deiner Arbeit?

Eine riesengroße Rolle! Ich komme ja aus der Selbstständigkeit und habe jahrelang eigenständig und für mich gearbeitet. Hard Skills waren da das Hauptkriterium: Wie kompetent bist du? Welche Referenzen kannst du vorweisen? Jetzt habe ich den direkten Vergleich zwischen der Selbstständigkeit und der Unternehmenswelt und kann daher sagen, dass Softskills besonders relevant sind. In großen Teams, die dynamisch und flexibel sind und viele Projekte und Kampagnen gleichzeitig managen, sind Softskills elementar. Man nimmt oft mehr als nur eine Rolle ein und deshalb sind diese Fähigkeiten, meiner Meinung nach, von einer erfolgreichen Kollaboration nicht zu trennen. In so einem Umfeld ist es sehr vorteilhaft, wenn man kommunizieren kann, wenn man Ideen präsentieren kann, wenn man emotionale Intelligenz besitzt, um schwierige Situation zu navigieren. Das sind nur einige Beispiele. Meine Arbeit zeigt mir, dass Soft Skills, die ich besonders gut beherrsche (z.B. Kommunikationsfähigkeit, kritisches Denken, Kreativität) größeren Wiedererkennungswert haben als das technische Wissen, dass ich mir durch Abschlüsse, Praktika erarbeitet habe. Die Förderung aller Skills, egal ob Hard- oder Softskills, ist für mich persönlich besonders wichtig. Ich arbeite sehr gerne für Unternehmen, die den Wert von Menschen sehen und diesen fördern wollen.

Welche Coaching-Inhalte wünscht du dir häufiger für Afrodeutsche?

Ich wünsche mir für Afrodeutsche mehr Coaching für die Berufsfindung. Oft ist es so, dass wir Afrodeutschen entweder die erste oder zweite Generation von Studierenden in unserem nächsten Umfeld sind, zumindest ist dies bei uns Eritreern meistens der Fall. Im Beruf verhält es sich ähnlich, da man nicht viele Anknüpfungspunkte innerhalb der Familie hat, weil man als Erste/r oder Zweite/r diesen Weg geht. Dementsprechend fehlen da Menschen, die einem Hilfestellungen geben können. Ich wünsche mir, dass wir genau dort ansetzen und mehr Coachinginitiativen anbieten, die uns assistieren und anhand von persönlichen Stärken und einzigartigen Fähigkeiten herausfiltern, was unsere potentiellen Wege sein können. Ich sehe das so, dass jeder und jede irgendeine Lücke füllt. Ist doch top, wenn diese Lücken von Gesichtern gefüllt werden können, die nicht nur wie der Status Quo aussehen!

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