Toxische Freundschaften – warum sind es immer die anderen?

Freundschaften können unser Leben bereichern. Sie bieten uns emotionalen Halt und können unsere Gesundheit und Lebensqualität steigern. Allerdings hält nicht jede Freundschaft ewig. Sie kann sich auch zu einem ungesunden Verhältnis entwickeln. Im Internet und in den sozialen Medien finden wir unzählige Guidelines, die uns dabei helfen, eine ungesunde Freundschaft zu erkennen und zu beenden. Bei den Erfahrungsberichten im Netz ist auffällig, dass die Erzählenden selten ihre eigenen toxischen Verhaltensweisen mit ihrer Zuschauerschaft teilen. Meistens berichten sie von Situationen, in denen sie den vermeintlich nicht-toxischen Part spielten. Doch was ist, wenn ich die Person bin, die toxische Verhaltensweisen in einer Freundschaft aufweist? Warum werden solche Eingeständnisse weniger geteilt?

Wenn wir von toxischen Freundschaften sprechen, dann meinen wir zwischenmenschliche Beziehungen, die uns nicht guttun. Wichtig ist an dieser Stelle zu betonen, dass Menschen, die in Freundschaften toxische Verhaltensweisen aufweisen, nicht per se als toxisch gelabelt werden sollten. Menschen in ihrem Kern als ungesund und vergiftend zu bezeichnen, sind schwere Vorwürfe, die häufig ohne entsprechende Relation in den Raum geworfen werden. Jede Freundschaft ist einzigartig. Das „Gift“ entsteht durch das Zusammenspiel des Verhaltens, der Erwartungen und der Empfindungen aller Beteiligten. Nichtsdestotrotz ist es absolut legitim und wichtig, sich von Menschen abzuwenden, die einem Energie rauben. Toxische Beziehungen sind von Egoismus, Unachtsamkeit, Manipulation, Unsicherheit, Beleidigungen, Gewalt und respektlosen Verhaltensweisen geprägt. Oftmals handelt es sich um langjährige und intensive Freundschaften, weshalb es vielen von uns schwerfällt, die Freundschaft zu beenden. Mindestens ebenso schwierig ist es anzuerkennen, wenn man selbst den toxischen Part in einer Freundschaft einnimmt. Sowohl in der Offline- als auch Online-Welt berichten wenige Menschen von Beziehungen, in denen sie diejenigen waren, die sich toxisch verhielten.

Die Gründe dafür sind vielseitig. Nicht immer merken wir, wenn wir unserem Gegenüber Unrecht tun. Manchmal möchten wir der anderen Person etwas Gutes tun und untergraben dabei die Gefühle und Wünsche des oder der anderen. In anderen Fällen steht uns schlichtweg eine egozentrische Wahrnehmung und Haltung im Weg. Eine Freundschaft lebt vom achtsamen und empathischen Verhalten aller Beteiligten. Es lohnt sich daher immer wieder das eigene Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen zu reflektieren. Viele Menschen, die rückblickend ihr Verhalten als unfair oder unempathisch einordnen würden, teilen diese Erkenntnis jedoch nicht mit anderen. Wenn nach Erfahrungen mit toxischen Beziehungen gefragt wird, neigen wir dazu, nicht von den Erfahrungen zu sprechen, in denen wir selbst der toxische Part waren. Gerade in den sozialen Medien spielt Selbstinszenierung eine große Rolle. Wir möchten Menschen inspirieren und ein positives Selbstbild nach außen tragen. Als Maßstab dient dabei das Idealbild, also so wie wir sein möchten. Unser Selbstbild beeinflusst, wie wir die Welt um uns herum erleben und ist eng an unserem Selbstwert verknüpft. Da das Selbstbild auch von unserer Außenwelt mitbestimmt wird, spielt es durchaus eine bedeutende Rolle, wie uns andere Menschen sehen. Wir möchten nicht die Person sein, die andere Menschen runterzieht. Ein reflektierter Umgang mit gescheiterten Freundschaften bietet jedoch eine Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Denn Fehler machen und dabei eventuell Menschen zu verletzen ist menschlich. Es existiert keine allgemeingültige Regel die besagt, welches Maß an Verletzung noch in Ordnung ist. Die Grenzen setzt jeder Mensch selbst.

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