Regina (26) erzählt wie ihr Mentor und 2 Stipendien ihre Laufbahn verändert haben

Regina ist 26 Jahre alt, Trainee im Stiftungsmanagement bei der BMW Foundation Herbert Quandt und Teil des Teams der SWANS-Initiative. Die gebürtige Hamburgerin, mit ghanaischen Wurzeln hat nach dem Abitur ein Studium Generale, welches es nur dreimal in Deutschland gibt, gemacht. Danach ist sie für ihr Bachelorstudium der Geschichte und Sozialwissenschaften (2014-2018) an der Humboldt-Universität zu Berlin und für ihr Masterstudium Global History M.A. (2018-2020) an die FU Berlin nach Berlin gezogen. Für das Studium Generale und ihr Bachelor- sowie Master-Studium hat sie mehrere Stipendien erhalten. Im Interview teilt sie mit euch die Wichtigkeit von Vorbildern und Mentorinnen und Mentoren, ihren Weg zu den Stipendien und wie diese beiden Faktoren ihr Studium und ihre Perspektive geprägt haben.

Hallo Regina, was wolltest du werden als du jünger warst?

Ich war sehr kreativ, habe gerne getanzt und gesungen. In der 11. Klasse wollte ich Lehrerin werden, um für die nächste Generation mehr Repräsentation im Klassenraum zu bieten. Das war aber nach längerem überlegen doch nichts für mich. Danach war ich lange Zeit etwas verloren.

Durch die Unterstützung meines Lehrers, der wirklich an mich geglaubt hat und mein erster Mentor war, habe ich nach dem Abitur ein Studium Generale in Tübingen gemacht. Mein Lehrer hat mich bei der Bewerbung unterstützt und sogar Geld gesammelt, sodass ich am Bewerbungsgespräch teilnehmen konnte.

Wie hat das Studium Generale dich geprägt?

Das Studium Generale gibt es nur dreimal in Deutschland. Dort können Schülerinnen und Schüler in unterschiedliche Fächer wie Jura, Geschichte, Chemie etc. reinschnuppern, sich selbstständig demokratisch z.B. in Komitees organisieren und ihre sozialen Kompetenzen  entwickeln. Das Studium in Tübingen ging ein Jahr lang. 53 Studierende haben dort zusammen gelebt und studiert.  

Ich war die einzige Schwarze dort, weshalb ich mich oft nicht sichtbar fühlte. Die meisten Studierenden waren Kinder aus dem guten oder hohen Mittelstand mit einem sehr guten Abitur (Abiturnote:1 – 1,4). Sie haben das Kolleg meist als Gap Year zur Orientierung genutzt, weil ihnen so viele Möglichkeiten offen standen.

Ich wusste nach dem Kolleg mehr wo meine Interessen liegen und habe mich für ein Studium der Geschichts- und Sozialwissenschaften entschieden. Geschichte hat mir im Studium Generale immer gut gefallen, ich war mir jedoch nicht sicher, welchen Beruf ich damit ausüben kann. Nach meiner Annahme an der Uni habe ich mich dennoch dafür entschieden.

Wie konntest du das Studium finanzieren?

Durch die Unterstützung meines Lehrers habe ich für mein Studium ein Stipendium erhalten, sodass ich keine Gebühren zahlen musste. 

Die Unterkunft (ca. 200 €/Monat) sowie Verpflegung habe ich mithilfe meiner Ersparnisse finanziert. Ich habe neben der Schule gearbeitet. Mein Vater hat mich zudem finanziell unterstützt.

Was war für dich die größte Herausforderung während deiner Schullaufbahn?

Aufgrund meiner Lebensumstände war es für mich schwer, mich auf die Schule zu konzentrieren und gute Leistungen zu bringen. Meine Mama war alleinerziehend und oft krank, zusätzlich hatten wie eine finanzielle Knappheit. Ich hatte viel Verantwortung und war oft alleine zuhause, wenn meine Mutter länger im Krankenhaus war. Was mir geholfen hat, war meine Freundesgruppe, die zum Teil einen ähnlichen Migrationshintergrund und soziale Umstände hatten. Sie haben mich verstanden und aufgefangen, was so wichtig für mich war.

Du hast für dein Bachelor und später auch dein Masterstudium ein Stipendium erhalten, wie kamst du dazu?

Vom Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes habe ich durch meinen Lehrer erfahren. Er hat mich empfohlen, sodass ich einer der Vorschläge des Schulrates für das Stipendium war. Es werden vom Schulrat meistens 2 – 3 Schülerinnen und Schüler vorgeschlagen.

Die nächsten Schritte waren das Motivationsschreiben und dann das Auswahlwochenende. Mein Lehrer hat mich bei den Schritten unterstützt.

Das Stipendium aus dem GEH DEINEN WEG-Programm habe ich dann später erhalten. Das hat mir eine Bekannte empfohlen, die auch eine Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes war.

Wie hat das Stipendium dein Studium verändert?

Das Stipendium war für mich eine riesige finanzielle Erleichterung. Ich hatte im Vergleich zu meiner Schulzeit endlich finanzielle Freiheit. 

Als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes wird der kalkulierte BAföG Satz (bei mir war es der Höchstsatz) ausgezahlt. Zusätzlich werden 300 € Büchergeld ausgezahlt. Im Gegensatz zum BAföG muss das Geld am Ende des Studiums nicht zurückgezahlt werden. Ich habe auch nebenbei noch gearbeitet. So hatte ich das Privileg in den Semesterferien z.B. unbezahlte Praktika machen zu können, ohne mir Sorgen zu machen.

Das “Geh deinen Weg”- Stipendium ist ein ideelles Stipendium, das heißt man erhält kein Geld, sondern Zugang zu Mentorship Programmen und Veranstaltungen, die Wege aufzeigen und unterstützen. Angela Merkel ist die Schirmherrin des Programms, ich habe sie in diesem Rahmen auch getroffen.

Welche Bedingungen hatten die Stipendien?

Für das Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes beträgt die Probezeit ca. zwei Jahre, danach wird entschieden, ob die Förderung bis zum Ende des Masterstudiums läuft.

Ein begründeter Studienfachwechsel ist einmal möglich.

Eine Verlängerung der Förderungszeit ist auch möglich, ich habe zweimal verlängert. Ich musste jedes Semester einen Bericht schreiben. 

Wie hat das Stipendium dein Studium bezüglich deines Netzwerkes verändert?

Ich habe mich lange Zeit aus den Netzwerken der Stiftung zurückgehalten, später habe ich die Angebote und Veranstaltungen zum Glück genutzt.

Interessante Veranstaltungen waren für mich z.B. “Frauen in Führungspositionen” oder “Berufseinstieg als Geisteswissenschaftler”.

Zudem konnte ich drei Französisch-Sprachkurs belegen und in diesem Rahmen an Auslandsaufenthalten in Frankreich teilnehmen. Als Stipendiatin war dies für mich kostenlos, ich habe zusätzlich Reise und Verpflegungsgeld erhalten.

Wie steht es mit der Repräsentation in den Programmen?

In der Deutschlandstiftung Integration, waren aufgrund der Ausrichtung der Stiftung mehr Menschen die mir ähnlich sind. Die Stipendiaten in der Studienstiftung des deutschen Volkes waren überwiegend weiß.

Woran denkst du liegt das deiner Meinung nach?

Ich denke es liegt an den Kriterien der Stipendienvergabe. Es wird mehrheitlich auf Noten und auf das politische Engagement geachtet, deswegen erhalten oft Menschen das Stipendium, die es finanziell vielleicht nicht unbedingt benötigen.

Ich denke Kriterien wie das soziale Engagement im eigenen Umfeld sollten auch berücksichtigt werden. Viele Menschen mit Migrationshintergrund engagieren sich in jungen Jahren oft nicht in offiziellen Strukturen, jedoch sehr viel in ihrem Umfeld und in ihrer Community.

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